Zum Seiteninhalt springen

Goldenes Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt

Erneut ist unsere Einrichtung für seine diversitätssensible Ausrichtung ausgezeichnet worden. Als erste Berliner Einrichtung erhielt das Haus im Rahmen des bundesweiten Programms Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt das neue „Goldene Qualitätssiegel“, das neben queersensibler Pflege erstmals auch eine (post-)migrationssensible Dimension verbindlich einbezieht.

Zum Bericht über die Siegelauszeichnung

Wie queer- und migrationssensible Pflege im Alltag gelingt

Nicole Oerder, Leiterin des Immanuel Seniorenzentrums Schöneberg und Ralf Schäfer, Beauftragter für Diversität und queere Lebensweisen in der Sparte Wohnen und Pflegen der Immanuel Albertinen Diakonie sprechen bei Radio Pardiso darüber, wie es gelingt, queer- und migrationssensible Pflege im Alltag umzusetzen und wie Bewohnerinnen, Bewohner und Teams von diesem Ansatz profitieren.

Julia Nogli: Radio Paradiso mit Natürlich Gesund. Ich bin Julia Nogli und heute gratulieren wir gewissermaßen dem Immanuel-Senioren-Zentrum Schöneberg zur Rezertifizierung Lebensortvielfalt. Gäste im Studio sind dessen Leiterin Nicole Oerder und der Beauftragte für Diversität und queere Lebensweisen in der Sparte Wohnen und Pflegen, der Immanuel Albertinen Diakonie Ralf Schäfer.

Nicole Oerder: Hallo, ich grüße Sie. Guten Abend.

Ralf Schäfer: Hallo, vielen Dank für die Einladung.

Julia Nogli: Ja, bevor wir gleich auf dieses Zertifikat, das muss man ja alles mal ein bisschen erklären und eben diesen Lebensortvielfalt eingehen. Vielleicht beschreiben Sie kurz, Frau Oerder, was ist das Seniorenzentrum Schöneberg für eine Einrichtung?

Nicole Oerder: Ja, beim Seniorenzentrum in Berlin-Schöneberg handelt es sich um eine vollstationäre Pflegeeinrichtung, die im Herzen des wunderschönen Stadtteils Schöneberg liegt. Direkt an der Hauptstraße, mittendrin im Leben, können unsere Senioren am Leben ganz normal teilnehmen, halt nur mit Pflegebedarf. Genau, wir bieten vollstationäre Pflege an, wir bieten Verhinderungspflege an.

Bei uns fühlen sich alle Menschen wohl, egal welcher geschlechtlichen Identität oder welches Migrationshintergrund ist. Bei uns fühlt sich jeder willkommen, ob als Bewohner oder als Mitarbeitender. Wir sind ein absolut offenes Haus und freuen uns über jeden, der neue Ansichten, neue Lebenswelten zu uns mit reinbringt.

Julia Nogli: Ganz kurz nach, was ist ein Verhinderungspflege?

Nicole Oerder: Verhinderungspflege findet dann statt oder kann dann beantragt werden, wenn Menschen zu Hause mit einem Pflegegrad gepflegt werden von den Angehörigen oder von der ambulanten Pflegediensten und die Angehörigen vielleicht mal in Urlaub fahren wollen oder selber ein Krankenhausaufenthalt oder sowas vor sich haben. Um dann ihre Liebsten gut aufgehoben zu wissen, können sie sie dann für eine gewisse Zeit in eine stationäre Versorgungsform geben und das führen wir auch bei uns durch.

Julia Nogli: Herr Schäfer, Lebensortvielfalt, erklären Sie doch mal, Zertifizierung, das ist so eine Art Siegel, dass sie da eben queersensibel und migrationssensibel dort gepflegt wird. Was bedeutet das alles und warum haben Sie das mal ursprünglich bekommen und warum jetzt noch mal zum dritten Mal jetzt noch mal neu?

Ralf Schäfer: Also vielleicht zur Begrifflichkeit nochmal, es ist tatsächlich ein Qualitätssiegel, das verliehen wird und das ist 2018 erstmals in Deutschland vergeben worden. Die Initiative kam vom Bundesministerium zu seiner Zeit und die Schwulenberatung Berlin ist beauftragt worden, ein einheitliches Siegel zu entwickeln, Prüfverfahren, um Einrichtungen einzuschätzen, ob sie queersensibel sind. Ursprünglich 2018 sind wir das erste Mal zertifiziert worden, war der Fokus tatsächlich auf LSBTIQ kultursensible Pflege und rudimentär waren da auch zwei, drei Aspekte vertreten, um Migrations- oder postmigrantische Perspektiven mit abzudecken.

Und wir haben uns seit 2018 auf den Weg gemacht in der Einrichtung, haben das dann verstetigt, sodass es für uns keine Frage war, die erste Rezertifizierung durchzuführen. Und bei der zweiten Rezertifizierung war jetzt die Überlegung ein bisschen länger, weil das Qualitätssiegel ist jetzt offiziell erweitert worden, um die postmigrantische Vielfalt. Und das hieß für uns, dass die Konzeptionen und Verfahrensanweisungen, die wir bisher schon eingereicht haben, alle nochmal in die Hand genommen werden mussten, um genau zu prüfen, ob in der Konzeption, in unseren Vorgaben, Verfahrensanweisungen auch die postmigrantische Vielfalt ausreichend mit berücksichtigt ist.

Entsprechend wurde dann auch der Prüfkatalog angepasst und da ist der Fokus natürlich dann auf der postmigrantischen Perspektive einmal in Bezug auf Bewohnende, aber auch auf Mitarbeitende entsprechend erweitert worden, was dann auch nochmal für die Einrichtung, für die Mitarbeitenden vor Ort eine Herausforderung war, die Kriterien zu erfüllen und dann auch in die Umsetzung zu bringen.

Julia Nogli: Das klingt jetzt ja alles sehr theoretisch. Wie sieht das in der Praxis aus? Wie viele Menschen sind bei Ihnen und was ist das für eine Mischung von Menschen, die da so bei Ihnen sind?

Nicole Oerder: Ja, also Menschen bei uns kann ich sagen, wir haben ja Menschen, die bei uns wohnen und Menschen, die bei uns arbeiten. Bei uns wohnen 62 Menschen. Die kommen aus den verschiedensten Kulturkreisen.

Die haben die verschiedensten Hintergründe, was sie so mitbringen. Also das ist ganz, ganz bunt gemischt, was unfassbar schön ist. Man lernt ganz viel und man bekommt ganz viele wertvolle Erfahrungen geteilt.

Da bin ich sehr dankbar dafür. Und die anderen Menschen sind unsere bei uns arbeitenden Personen. Und da sieht es im Prinzip genauso aus.

Also ich weiß gar nicht, ob es noch bunter und noch vielfältiger geht als in der Mitarbeiterschaft dort im Immanuel-Senior-Zentrum Schöneberg.

Julia Nogli: Genau. Das bedeutet aber auch jetzt, gerade jetzt die dort betreuten Menschen, die dort wohnen, dass die oder in der stationären Pflege sind. Die müssen jetzt aber nicht Migrationshintergrund haben oder eine sexuell andere Orientierung sozusagen.

Also sind alle Menschen da, so wie sie sind.

Nicole Oerder: Ja, also wir wollen ja nicht eine Spezialität für irgendwen sein, sondern wir wollen im Kleinen die Welt so machen, unsere kleine Welt, so wie wir uns die Welt eigentlich im Großen vorstellen würden, dass es einfach nur vollkommen egal ist. Es ist egal, welche sexuelle Identität jemand hat. Es ist vollkommen egal, wo jemand herkommt, in welcher Sprache jemand ursprünglich mal gesprochen hat, ob er seine Familienangehörigen als Vertrauenspersonen bezeichnet oder den Nachbarn.

Es ist alles vollkommen egal. Jeder Mensch, der da reinkommt, bringt seine Dinge mit, seine Erfahrungen, seine Ansprüche, seine Bedürfnisse. Und die werden einfach angenommen und wertungsfrei realisiert und akzeptiert.

So stellen wir uns die Welt vor und so wollen wir unsere kleine Welt machen. Das ist unsere Idee.

Julia Nogli: Da begegnen sich dann ja praktisch auch Menschen eben zum Beispiel aus verschiedenen Kulturen oder anderen Hintergründen im Alter, die sich vielleicht sonst gar nicht im Berufsleben oder vorher mal begegnet wären, oder? Also wie ist denn das so?

Nicole Oerder: Das ist total schön und total spannend, total schön, vor allen Dingen für die Menschen, die dann voneinander lernen, die im Alter, wo man es eigentlich gar nicht mehr vermutet, noch in ganz andere Lebenswelten eintauchen können. Also wer hat das schon? Wer kann schon mit 93 Jahren sagen?

Er hat das erste Mal einen Vortrag darüber gehört, was das Zuckerfest ist. Ja, und solche Geschichten passieren bei uns halt eigentlich täglich.

Julia Nogli: Herr Schäfer, Sie sagten, es gibt ja sogar jetzt nochmal einen aktuellen Bezug. Man denkt sich ja, das ist immer schon wichtig und auf dem Schirm. Aber was meinen Sie damit?

Warum Sie so Diversität und so weiter nochmal für besonders wichtig halten?

Ralf Schäfer: Ja, die Intention, die wir verfolgen in der Einrichtung ist, wie Frau Oerder jetzt gerade ausgeführt hat, dass wir eben alle Lebensrealitäten und Lebenswelten inkludieren und da ein gutes Miteinander organisieren. Und dass es aber immer noch wichtig ist, sich um das Thema zu kümmern. Vielfalt und Diskriminierung zeigen einfach die gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die trotz der Fortschritte, die wir in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, doch auch wieder rückwirkend momentan sich entwickeln, was die Gleichstellung von den Geschlechtern zeigt oder Vielfalt und die Polarisierung auch zu Rollenbildern in der Gesellschaft.

Und deshalb ist es einfach notwendig, dass wir an dem Thema dranbleiben und uns damit auseinandersetzen. Und Hintergrund sind dann einfach auch die gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeiten, die halt im Augenblick sehr oft in den Medien auftauchen und im öffentlichen Diskurs. Und da werden einfach Menschen auch abgewertet oder anders behandelt aufgrund von Merkmalen, die ihnen zugeschrieben werden oder die auch vorhanden sind.

Und da fallen darunter wie die Herkunft, wie die eigenen körperlichen Fähigkeiten, sexuelle und geschlechtliche Identität, die Herkunft. Das sind so Merkmale, aufgrund dessen eben dann auch so eine Ausgrenzung passieren kann. Und es gibt ja jährlich den Report vom Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusreport.

Und der Report von 2023 hatte den Schwerpunkt auf Gesundheitswesen. Und das ist halt auch sehr deutlich geworden, dass im Gesundheitswesen gut 30 Prozent der Menschen Diskriminierung, Ausgrenzung, Ungleichbehandlung erfahren. Das sind dann solche Sachen, dass eben migrantisch gelesene Menschen häufig nicht ernst genommen werden oder dass Zuschreibungen erfolgen, dass migrantisch gelesene Männer, dass man denen zuschreibt, dass sie irgendwelche Beschwerden dramatisieren oder übertreiben würden.

Und das hat natürlich dann Auswirkungen auf diese Menschen, wenn sie das tagtäglich so erleben.

Julia Nogli: Auch mit ihnen wird anders gesprochen manchmal, so überdeutlich und laut.

Ralf Schäfer: Und so eine leichte Sprache wird dann einfach angewendet, weil man voraussetzt, dass die Sprachkompetenz nicht vorhanden ist. Und das führt dann halt auch häufig dazu, dass Betroffene eben vielleicht Leistungen zu spät oder überhaupt nicht im Gesundheitssystem in Anspruch nehmen, dass während dem Bezug jetzt mit Verhinderungspflege, dass dann Menschen mit Migrationsgeschichte oder auch queere Menschen dann eher eine Scheu haben, solche Verhinderungspflege oder Angebote in Anspruch zu nehmen, weil sie eben Angst haben, diskriminiert zu werden, weil sie nicht sicher sein können, dass eben in den Einrichtungen da nicht proaktiv auch gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Ungleichbehandlung vorgegangen wird. Und da gibt es noch eine zweite Studie von der Schwulenberatung Berlin, die das Berliner Gesundheitswesen ein bisschen beleuchtet haben. Die Studie ist von 2019.

Da ist auch sehr deutlich geworden, dass gerade queere Menschen im Berliner Gesundheitssystem oftmals von Diskriminierung betroffen sind.

Julia Nogli: Ich will mal gleich, weil das so eine gesellschaftspolitische Dimension hat, aber wieder zu Frau Erder in die Praxis. Was bedeutet es für die Mitarbeitenden? Werden die da besonders geschult?

Haben die eine besondere Ausbildung?

Nicole Oerder: Ja, tatsächlich werden unsere Mitarbeitenden besonders geschult und zwar von einem ganz großartigen Trainer, der sich sehr, sehr viele Jahre schon mit diesem Thema beschäftigt und uns, ich glaube, zweimal im Monat so ungefähr das letzte anderthalb Jahr intensiv zur Verfügung stand. Und da ist das der nette Herr Schäfer, der uns hier auch gegenübersteht. War ja auch selbst Leiter der Einrichtung.

Genau, genau. Also er kennt die Mitarbeiter, er kennt alle Prozesse und ist natürlich auch in dieser ganzen Geschichte unfassbar tief drin. Und deswegen haben wir da natürlich den besten Rückgriff auf ihn.

Und das wird auch regelhaft weitergeführt.

Julia Nogli: Geht es Ihnen auch selber? Sie selber sind ja jetzt noch nicht so lange an der Einrichtung. Haben Sie da selber auch schon dazugelernt und Dinge, wo Sie dachten, ach, habe ich noch nie darüber nachgedacht?

Jeden Tag, jeden Tag.

Nicole Oerder: Also ich bin eine Krankenschwester und zwar zu DDR-Zeiten noch sozialisiert. Also ich bin so eine Ost-Biografie. Und da war vor allen Dingen die Begegnung mit migrantischen Lebenswelten eher gar nicht so da.

Als ich meine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht habe, war das überhaupt gar kein Thema, überhaupt nicht. Und jetzt, wenn man jetzt ganz viel über Religionen und über die Rituale in Religionen erfährt, da lernt man jeden Tag dazu.

Julia Nogli: Aber es gibt vielleicht hier und da auch Konflikte. Die wird es ja immer mal geben, wie auch zwischen Bewohnern oder so. Wie geht man damit dann um?

Nicole Oerder: Indem man auch den Bewohnenden die Möglichkeit gibt, Wissen zu erwerben. Also niemand, der dort wohnt, möchte gerne mit irgendwelchen anderen Menschen anecken oder möchte mit denen Stress haben. Sondern es gibt ja mit Sicherheit einen Grund dafür, dass bestimmte Dinge geregelt werden, so wie sie geregelt werden.

Wenn zum Beispiel das Ende eines Lebens absehbar ist und dann gibt es bestimmte Kulturen, da ist es einfach normal, dass sich alle, die gesamte Familie in allen Zweigen von demjenigen verabschieden, auch Kinder. Und dann kann es sein, dass in einem Pflegeheim bei einer sterbenden Person plötzlich zehn Erwachsene und 15 Kinder ums Bett springen. Dass das der eine oder andere Bewohner ein bisschen komisch findet, das kann man verstehen.

Wiederum versteht er das dann sehr gut, wenn er die kulturellen Hintergründe versteht. Und genau dazu dient ja auch dieses Betreuungsangebot, was wir ja im Prinzip jede Woche haben wir irgendwelche bestimmten kulturellen Betreuungsangebote, wo einfach ganz viel Wissen vermittelt wird. Es geht nicht darum, dass man sagt, ihr müsst das alles verstehen, sondern ihr müsst es erst mal wissen, warum ist das so?

Das hat ja einen Grund. Es geht ja nicht darum zu sagen, ja, die machen das halt so, sondern warum wird das so gemacht? Ja, und wenn man dieses Wissen hat, dann fällt es einem viel leichter, das Ganze mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen, warum es Menschen wichtig ist, bestimmte Dinge zu tun.

Ralf Schäfer: Und für Mitarbeitende hat das natürlich auch eine hohe Bedeutung, sich damit auseinanderzusetzen, gerade auch zu Themen wie Stereotype, Vorurteile, solche Veränderungen von mir fremd erscheinenden Gewohnheiten oder Menschen, die sind uns nicht immer sehr präsent. Und manchmal wissen wir gar nicht, dass wir da vielleicht ausgrenzend oder verletzend sprechen oder auch handeln. Und da ist es ganz wichtig, dass für Mitarbeitende eben auch diese Schulungsangebote gemacht werden und ein Raum geschaffen wird, da über eigene Vorstellungen, Vorurteile sich einmal erst bewusst zu werden, darüber zu reflektieren und dann auch in den Austausch und in den Dialog zu kommen.

Julia Nogli: Ja, eben war schon die Rede zum Beispiel auch von Festlichkeiten oder so was. Ja, also wird Weihnachten, Ostern, aber auch Zuckerfest und andere Dinge angeboten und gemeinsam gefeiert.

Nicole Oerder: Genauso, ganz genauso. Es wird angeboten. Es werden auch in unserer Hauszeitung, werden da Artikel dann auch drüber verfasst, zum Beispiel als jetzt Ramadan begann, gab es einen großen Artikel.

Was das überhaupt ist? Ja, und dann jetzt das Zuckerfest haben sie zusammen gefeiert, ganz genau. Und eine Angehörige zum Beispiel, die hat neulich einen iranischen Abend veranstaltet und hat gekocht und hat ganz viel über die Speisen erzählt und hat den interessierten Teilnehmenden da ganz, ganz viel von der Kultur nahegebracht.

Und das fand ich auch ganz, ganz spannend.

Julia Nogli: Also es wird vor allen Dingen eine Atmosphäre geschaffen, in der sich jeder, jede wohlfühlen kann, ja.

Ralf Schäfer: Ja, um die Atmosphäre dann auch dauerhaft beizubehalten, deshalb gibt es auch die Rezertifizierungen, ist es halt wichtig, dass es solche Leitplanken gibt in der Einrichtung, dass es zum Beispiel Gewaltschutzkonzept gibt, dass Mitarbeitende und auch Bewohnende wissen, wie in der Einrichtung umgegangen wird, wenn es zu Übergriffen kommt, sei es jetzt diskriminierende Äußerungen oder, großes Thema auch in der Pflege, sexualisierte Gewalt, sei es jetzt, dass Mitarbeitende davon betroffen sind oder auch Bewohnende.

Das sind so Beispiele, die dann dazu beitragen, dass da sichere Lebensräume geschaffen werden für beide Seiten, Mitarbeitende wie auch die Bewohnenden.

Julia Nogli: Sie unternehmen da tatsächlich viele Anstrengungen und das ist eben queersensibel und migrationssensibel. Die Pflege ist auch, was die Mitarbeitenden angeht, aber das heißt ja nicht, dass es darauf allein spezialisiert ist, die Einrichtung, also es mischt sich auch mit sozusagen Leuten, die einfach aus dem Kiez sind.

Ralf Schäfer: Ja, da haben Sie völlig recht. Wir haben jetzt sehr den Fokus gesetzt in dem, was wir bis jetzt erzählt haben und berichtet haben auf die queeren Lebenswelten und die postmigrantische Vielfalt. Aber wir sind eine ganz normale Pflegeeinrichtung und der Querschnitt der Gesellschaft bildet sich auch bei uns in der Einrichtung ab.

Das heißt, bei den Bewohnenden liegen wir so im Schnitt, Nicole, korrigiere mich, bei ungefähr 20 Prozent an Bewohnenden, die entweder einen queeren Lebensweltenhintergrund haben oder einen postmigrantischen Hintergrund. Anders sieht es ein bisschen aus bei der Mitarbeitendenschaft im Gesundheitswesen. Wir sind angewiesen auf Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, um überhaupt noch vernünftig arbeiten zu können.

Und so ist teilweise bei uns in der Einrichtung über 50 Prozent der Mitarbeitenden haben Migrationshintergrund.

Julia Nogli: Vielleicht können Sie da noch mal aus der Praxis erzählen, was das bedeutet, dass Sie da auch speziell drauf eingehen oder Rücksichten nehmen oder Dinge vielleicht anders als ein normaler Arbeitgeber möglicherweise berücksichtigen.

Nicole Oerder: Ja, es fängt schon an, wenn sich jemand bei uns bewirbt, dann wird derjenige gefragt, wie er gerne angeredet werden möchte. Also, das wird dann natürlich auch respektiert. Damit fängt die Akzeptanz eigentlich schon an.

Und wenn wir dann, so wie wir jetzt auch eine Mitarbeitende haben, die den Ramadan verbringt in ihrem Glauben und kann das aber nicht mit ihrer Arbeitstätigkeit verbinden, dann bekommt sie halt, weil das so abgesprochen ist mit uns, ihren Urlaub auf diese Zeit gelegt. Das ist überhaupt gar kein Problem. Und es gibt auch keine Nachfragen, weil jeder weiß, worum es da geht.

Und ich finde auch gerade, dass wir so einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bei uns als arbeitende Personen haben, das macht die Sache auch etwas einfacher, weil die die Mitarbeitenden so auch aus ihrer eigenen Welt berichten können.

Julia Nogli: Sichere Lebensräume schaffen für die Bewohner und auch das Personal. Darum bemüht man sich täglich im Seniorenzentrum Schöneberg. Und das ist dafür auch rezertifiziert worden.

Quasi hat noch mal ein Siegel als Lebensort Vielfalt bekommen. Dennoch bildet es natürlich den Querschnitt der Bevölkerung in Schöneberg ab, wie wir gehört haben. Wenn Sie da mehr darüber wissen möchten, mehr Infos finden Sie auf www.paradiso.de in der Mediathek unter Natürlich gesund. Einen schönen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.