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12.04.2020

Ostern im Hospiz

In einem Hospiz, in dem Tod und Leben einander so unmittelbar begegnen, ist Ostern etwas ganz besonderes.

Über Jahrhunderte hinweg wurde und wird an Ostern die Geschichte des christlichen Glaubens erzählt. Das war in Friedenszeit und in Kriegszeiten so, in Zeiten des Aufbruchs und Zeiten des Niedergangs und so ist es auch in Zeiten von Corona. In unseren Hospizen in Wannsee und in Woltersdorf werden wir am Morgen bzw. am Nachmittag des Ostersonntags eine kleine Andacht haben. In begrenztem Rahmen, so wie es derzeit möglich ist.

Ostern im Hospiz ist etwas Besonderes. In einem Haus, in dem Tod und Leben einander so unmittelbar begegnen. In einem Haus, in dem wir im Sterben begleiten wollen und Hilfe zum Leben geben.

Wenn die Bibel von Ostern erzählt verschweigt sie nicht, wie eng Tod und Leben und wie eng Hoffnungslosigkeit und Neuanfang beisammen sind.

So auch in einer meiner Lieblingsgeschichten, nachzulesen im Johannesevangelium, Kapitel 20.

Maria. Eine enge Wegbegleiterin von Jesus geht am Sonntagmorgen zum Grab. Ein Felsengrab, etwa so wie das, das man am Altstadtrand von Jerusalem sehen kann. Es war eine Art in Fels gehauene Grabkammer. Als Maria mit Tränen getrübten Augen hinein schaut, sieht sie dass der Leichnam fehlt.
Eine Engelgleiche Gestalt fragt sie: »Frau, warum weinst du?«
Maria berichtet von ihrem Kummer: Jemand muss den verstorbenen Jesus weggenommen haben.

Und als sie sich umdreht, sieht sie eine Gestalt, die sie nicht erkennt. Wieder die Frage: »Frau, warum weinst du?
Wen suchst du?« Maria meint, der Mann sei der Gärtner und sagt zu ihm: »Herr, wenn du ihn fortgeschafft hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!«
Ihr Gegenüber spricht sie noch einmal mit Namen an: »Maria!« In diesem Augenblick erkennt Maria, dass dieser Mann Jesus ist. Ein Augenblick, der ihr Leben verändert.

Wenn ich diese Geschichte Menschen erzähle, die mit dem christlichen Glauben nichts anfangen können, höre ich Fragen und Zweifel. Und ich kann das so gut verstehen. Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, dass er lebt und dass Gott dem Tod die Macht genommen hat, ist nun nicht gerade das, was man sich mit dem Verstand herleiten kann.

Ostern ist der Tag, der unser Leben verändert hat.
Ostern ist d a s Fest der Christen.
Ostern kann bis heute die Wende im Leben eines Menschen sein.

Worum geht es?
Begonnen hat alles – wie so oft im Leben – mit zerplatzten Träumen. Die, die in Jesus den Anführer einer Revolution gesehen haben, haben am Karfreitag, dem Tag, an dem er hingerichtet wurde, alle Hoffnung verloren. Alle Träume zerplatzt. So mag es auch Maria in ihrem Leben ergangen sein.

Bis zu dem Augenblick, an dem Jesus sie anspricht.
Der Augenblick, an dem er sie beim Namen nennt.

Der Glaube beginnt da, wo sie persönlich angesprochen wird.
Wo sie Jesus begegnet.

Es ist etwa so, wie in einem Wort, dass Gott den Menschen schon viel früher zugesprochen hat:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
(Jes. 43,1)

Wo das geschieht,
wo wir das zulassen,
wird unser Leben eine neue Tiefe und Freude auch über den Tod hinaus erfahren.

In unseren Hospizen drängen wir dies keinem Menschen auf, aber wir können von dem berichten, was Gott im Leben von uns Menschen tun kann oder tun will. Es ist eine Einladung, nicht mehr und nicht weniger.

In diesem Sinne: Gesegnete Ostern!

 
 
 
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