Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Pflege

Lesen Sie hier im Grußwort von Christiane Viere, Unterabteilungsleiterin in der Abteilung Demografischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege im BMFSFJ, warum das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ als Befreiungsschlag bezeichnet und eine Altenhilfe fordert, die auch die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Alter berücksichtigt.

Die Übergabe des ersten Qualitätssiegels „Lebensort Vielfalt“ ist ein großer Schritt: für eine Pflege, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt und hin zu einer Normalität, die bislang noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Ein wichtiger Schritt zu Akzeptanz und Normalität

Die Übergabe des ersten Qualitätssiegels „Lebensort Vielfalt“ ist ein großer Schritt: für eine Pflege, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt und hin zu einer Normalität, die bislang noch keine Selbstverständlichkeit ist.
Wir wissen, dass der Weg von der Erkenntnis und der Einsicht in die Notwendigkeit hin zum Alltagshandeln sehr lang sein kann. Im Siebten Altersbericht „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ haben sich die Sachverständigen intensiv mit Ungleichheiten befasst. So lange hat es gedauert, bis erstmalig Aussagen zur Lebenssituation von gleichgeschlechtlich liebenden Frauen und Männern mit Bezug auf das Alter getroffen wurden.

Homosexuelle Frauen und Männer im dritten und vierten Lebensalter haben meist keine selbstbewusste homosexuelle Identitätsentwicklung vollziehen können, sondern im Gegenteil haben sie gesellschaftliche Tabuisierung, Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren, die zu Brüchen in ihren Lebenswegen führten.

Und diese wirken nach und setzen sich in vielen Fällen fort. Die Sachverständigen stellen fest, dass sich für etliche schwule Männer und lesbische Frauen die durch das Stigma der Homosexualität bedingten Belastungen mit steigendem Alter auswirken. Sie vermindern ihre Aktivitäten und ziehen sich zurück. Einige haben ganz besondere Sorge, im Alter von Dritten abhängig zu sein. Der Inanspruchnahme regulärer Angebote der Altenhilfe stehen viele skeptisch gegenüber – aus Angst, bei Pflegebedürftigkeit wegen der sexuellen Orientierung diskriminiert zu werden.

Homosexuelle Frauen und Männer im dritten und vierten Lebensalter haben meist keine selbstbewusste homosexuelle Identitätsentwicklung vollziehen können, sondern im Gegenteil haben sie gesellschaftliche Tabuisierung, Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren, die zu Brüchen in ihren Lebenswegen führten.

Das Modellprojekt „Lebensort Vielfalt Qualitätssiegel“ des Netzwerks Anders Altern der Schwulenberatung Berlin wirkt daher wie ein Befreiungsschlag. Das erste Siegel ist ein Signal, dass sich Dinge ändern.

Gesellschaftliche Bewusstseinsprozesse initiieren

Ich freue mich, dass das Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg heute als erste Einrichtung dieses Siegel erhält […].

Das Modellprojekt und das Qualitätssiegel sind Zwischenschritte. Um Diskriminierungen erst gar nicht aufkommen zu lassen oder dort, wo sie auftreten, ihnen möglichst die Grundlage zu entziehen, muss man früh und auf vielen Feldern ansetzen. Alle Menschen sollen die gleiche Chance haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und zwar unabhängig von Einkommen, Herkunft, Religion, Geschlecht, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung.

Als Bundesfamilienministerium wenden wir uns gegen jede Form von Diskriminierung und setzen uns ein: für mehr Akzeptanz in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt; für das Recht jedes Menschen, über seine geschlechtliche Identität frei und selbstbestimmt zu entscheiden und für das Recht, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft die eigene sexuelle Orientierung offen zeigen darf.

Wir fördern im Bereich gleichgeschlechtliche Lebensweisen und geschlechtliche Vielfalt eine Vielzahl von Projekten, Veranstaltungen und Publikationen. Das zieht sich durch alle Bereiche: Familie, Gleichstellung, Jugend, Senioren und Engagement. […]

Diskriminierungsfreie Pflege

Wir haben natürlich auch die Belange und die Unterstützung von LSBTI*-Seniorinnen und -Senioren im Blick. Wir setzen uns dafür ein, dass alle älteren Menschen ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen können. Egal, ob sie Pflege brauchen oder nicht.

Wie ist es um die Wirklichkeit bestellt? Können die Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm „nachkommen“, mit einer respektvollen und qualifizierten Pflege rechnen? Gibt es gar Diskriminierung in Pflegeheimen? Das darf nicht sein!
„Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf eine an seinem persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung.“ So lautet Artikel 4 der bereits seit 10 Jahren bestehenden „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“.
Wir brauchen deshalb eine Altenhilfe, die auch die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Alter berücksichtigt.

Wir setzen uns dafür ein, dass alle älteren Menschen ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen können. Egal, ob sie Pflege brauchen oder nicht.

Die Schwulenberatung Berlin hat mit dem Lebensort Vielfalt ein bemerkenswertes Wohnprojekt auch mit Pflegeplätzen geschaffen. […]

Weil solche Projekte nicht überall geschaffen werden können, sind spezifische Betreuungs-und Pflegekonzepte, die an spezifische Bedürfnisse angepasst sind, notwendig. Etablierte Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste und Verbände müssen sich für die Vielfalt der Menschen öffnen. So wie es das Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg macht.
Ziel muss es sein, bestehende Angebote so auszurichten, dass sie von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen und unterschiedlicher sexueller Orientierung akzeptiert und genutzt werden.
Damit das gelingt, benötigen wir Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte, die den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend pflegen können. […]

Wir stehen an der Seite derer, die sich um all die wichtigen Aufgaben kümmern, die direkt den Menschen zugutekommen. Und das kommt nicht nur der gesamten Gesellschaft zugute – mehr noch: es stärkt die Gesellschaft!
Mit der Förderung des Projektes „Lebensort Vielfalt Qualitätssiegel“ leistet das Bundesfamilienministerium einen wichtigen Beitrag zur Öffnung von Senioren- und Pflegeheimen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. […]

 
 
 
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