"Radeln ohne Alter" - Mit der Rikscha durch den Kiez

Seit Sommer 2015 bieten Calle Overweg und seine Mitstreiter der Initiative "Radeln ohne Alter" ehrenamtlich Ausfahrten mit der Rikscha für die Bewohnerinnen und Bewohner des Immanuel Seniorenzentrums Schöneberg an. Die aus Dänemark stammende Idee löst nun auch hierzulande Begeisterung auf beiden Seiten aus: Jung und Alt genießen die Fahrten gleichermaßen.

Radeln im Alter - Das Recht auf Wind in den Haaren

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht so aus, als würde Calle Overweg seine Eltern spazieren fahren. Doch in der Fahrrad-Rikscha nehmen Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg platz und genießen die Ausflüge durch den Schöneberger Kiez.

Calle Overweg, Initiator von „Radeln im Alter“, hat die Idee aus Dänemarkt mitgebracht. Das Ziel: körperlich noch gut bewegliche Menschen mit altersbedingt weniger beweglichen Menschen für gemeinsame Ausflüge zusammenbringen. Die Fahrradrikscha ist eine besondere Spezialanfertigung mit tiefem Einsteig und einem kleinen Hilfsmotor und momentan in Berlin noch ein Unikat.

Aus Dänemark importiert

In Dänemarkt heißt die Initiative „Cycling uden alder“ (Radeln ohne Alter – Das Recht auf Wind in den Haaren) und wurde von Ole Kassow ins Leben gerufen. Als Dokumentarfilmer Calle Overweg bei Recherchearbeiten von der Idee hört, ist er begeistert und will dasselbe unbedingt in Berlin machen. Anfangs fuhr Calle Overweg seine 95-jährige Tante in der Fahrradrikscha, da sie nach einer Hüftopteration nicht mehr so gut gehen konnte. Bald hatte er ein kompetentes und hochmotiviertes Team um sich geschart und seit Sommer 2015 bietet die Ausflüge auch im Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg an.

Begeisterung auf beiden Seiten

Die Reaktionen der Bewohnerinnen und Bewohner sind durchweg positiv: sie singen, lachen, kommen in Kontakt mit Passanten und natürlich auch mit dem Rikscha-Fahrer. Wie ein Taxifahrer hat er ein offenes Ohr für die vielen verschiedenen Lebensgeschichten, die seine Passagiere mit ihm teilen - es sind Ausflüge mit Erlebnismehrwert für beide Seiten.

Das rbb Fernsehen begleitet einen Ausflug in den Schöneberger Park

Calle Overweg holt seine Begleiterin im Seniorenzentrum Schöneberg ab - mit dabei das Fernsehteam vom rbb.

Jeden Tag stieg Christel Strübing früher auf ihr Fahrrad, um zur Arbeit zu fahren. In einer Molkerei hat sie in der Buchhaltung gearbeitet. Die Fahrt durch den Wald des Berliner Umlands hat ihr Spaß gemacht. Heute ist die 85-jährige Bewohnerin des Immanuel Seniorenzentrums Schöneberg das erste Mal in eine Fahrrad-Rikscha gestiegen.  

Ein Tag voller Premieren

Aber nicht nur von Calle Overweg durch den Schöneberger Park am Gleisdreieck gefahren zu werden gehört zu den persönlichen Premieren ihres Lebens, auch ein Interview vor einer Kamera ist eine völlig neue Erfahrung für sie. Begleitet wurden die beiden nämlich von einem Team der Abendschau des rbb.

Los geht's! Das rbb-Fernsehteam fährt im PKW nebenher.

Nach dem Einstieg in die Rikscha waren auch schon gleich Kamera und Mikrofon auf Christel Strübing gerichtet. Ob sie denn aufgeregt wäre, vor ihrer ersten Fahrt, fragte man sie. „Ja, ein wenig schon“, kam die Antwort. „Ich fahre ja schließlich das erste Mal in einer Rikscha.“

Aus dem Fahrstuhl, über den Parkplatz, auf die Straße, Richtung Park. Immer dabei: das Team des rbb. „Ganz schön ‚huckelig‘ die Straße hier“, bemerkt Calle Overweg. „Och, das macht mir nichts aus“, sagt die 85-Jährige lächelnd in der Rikscha sitzend. Kurzer Stopp: Rikscha-Fahrer und Beifahrerin werden vom Tontechniker verkabelt, damit die Menschen vor dem Fernseher die beiden nicht nur sehen, sondern auch hören können, worüber sie sich eigentlich so die ganze Zeit unterhalten. 

Von der Seite, von hinten, von vorne: Der Kameramann ist zufrieden mit seinem Filmmaterial. Eine Einstellung fehlt ihm aber noch: Die Rikscha-Räder, wie sie langsam am Objektiv der Kamera vorbeiziehen. Kein Problem. Schon kniet er mit seiner Kamera auf dem Boden und hält die Aufnahme fest. Im Park am Gleisdreieck angekommen, bestaunen Calle Overweg und Christel Strübing die wagemutigen Kunststücke der Skater auf der Halfpipe und drehen selbst eine Runde, um die Künstler auf zwei Rädern von allen Seiten zu bewundern.

Auf der Halfpipe im Park am Gleisdreieck bewundern die beiden die Kunststücke der Skater - und drehen selbst eine Runde.

Eine Runde im Skaterpark

Der begeisterte Fahrradfahrer Calle Overweg hat die in Dänemark entstandene und dort sehr erfolgreiche Initiative „Radeln ohne Alter – das Recht auf Wind in den Haaren“ nach Berlin und ins Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg gebracht. Mittlerweile konnte der „Kapitän“ vierzehn weitere „Piloten“ anlernen, fünf davon sind regelmäßig mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Immanuel Schöneberger Seniorenzentrums unterwegs.

Die Rikscha entstammt der Werkstatt des dänischen Fahrradbauers Christiania und ist speziell zu diesem Zweck gebaut worden. Sie kostet ungefähr 5.000 Euro und hat eine Lieferzeit von mindestens vier Monaten.

Zum Abschluss des Ausflugs gibt Christel Strübing dann noch ihr Feedback vor der Kamera. Wie ihr denn die Fahrt gefallen hätte, wird sie gefragt. „Es hat mir großen Spaß gemacht“, erwidert sie. Auch Calle Overweg ist begeistert von einer neuen Rikscha-Bekanntschaft mit einer, wie er sagt, „bemerkenswerten Frau“. Christel Strübing freut sich schon auf die nächste Fahrt in der Rikscha. „Aber dann“, sagt sie, „lade ich meinen Fahrer als Dankeschön auf einen Kaffee ein“.

Christel Strübing ist begeistert von der Rikschafahrt und freut sich schon auf's nächste Mal.
 
 
 
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